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Diskussion der lebensbedrohenden Weltprobleme und deren Lösungen sowie
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"Zur Zusammenbruchskrise des Kapitalismus"

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Simon Johnson - Ex-Chefökonom des IWF :: Krisen-Vorsorge  
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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
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PostPosted: 18 Jul 2009 9:09    Post subject: Reply with quote

Hallo Reaper,

Quote:
Was mich interessieren würde; wie sehen diese Statistiken für Schwellenländer oder Entwicklungsländer aus. Interessant wäre auch z.B. China und Indien. In wiefern wirken diese Länder auf die Krise.


Ich habe die Statistiken für Schwellen- oder Entwicklungsländer nicht ausgewertet. Natürlich wäre es sehr interessant, auch diese Länder in Betracht zu ziehen. Wie du aber sicher erkannt hast, untersuche ich zwar das Langzeitverhalten der Wirtschaftsentwicklung in BRD, Japan und USA, schließe aber von diesen Ländern ausgehend auf das „Schicksal“ der gesamten Erde. Dieses Vorgehen rechtfertige ich durch die Annahme, dass fast alle OECD-Länder eine vergleichbare technische Entwicklung haben, die Schwellen- und Entwicklungsländer hingegen ohne diese durchschnittliche technische Entwicklung durch die Globalität der Finanz- und Warenmärkte auf Gedeih oder Verderb an die zentralen Länder gebunden sind. Nach dem Crash wären sie daher bei einer Tilgung der Staatsschulden der gesamten Welt in die Entscheidungsprozesse eindeutig involviert… Aber du hast Recht, die Rolle der Schwellen- oder Entwicklungsländer in der Krise muss noch näher bestimmt werden.

Was die sozialen und politischen Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs betrifft, da hast du, langfristig gesehen, wohl recht mit deinen Vorstellungen über gesellschaftlichen Zerfall und Krieg. Ich möchte aber in diesem Zusammenhang auf einen wesentlichen Punkt hinweisen, warum die von dir genannten Kräfte, kurzfristig gesehen, nicht so schnell die gesellschaftlichen Prozesse ergreifen können: In der Phase nach dem Staatsbankrott werden auf der Erde wahrscheinlich sämtliche Wirtschaftsbereiche aufgrund des Vertrauensschwunds stillstehen. Um die Räder wieder in Gang zu bekommen, muss in dieser Situation schnellstens gehandelt werden. Man wird nicht viel Zeit haben, ein oder zwei Neustartversuche, bis man den richtigen Weg gefunden hat, wird es sicher geben. Ich vermute aber, dass zum Schluss Einsicht in die Notwendigkeit Oberhand gewinnen wird… Wenn diese Neustartversuche nicht funktionieren sollten, erst dann würden die von dir genannten sozialen und politischen Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs am Horizont sichtbar werden… Wie gesagt, das alles ist eine Vermutung von mir - beim heutigen Stand der Kenntnisse scheint mir das am naheliegendsten zu sein.
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Jakob
Aspirant


Joined: 02 Jul 2009
Posts: 88

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PostPosted: 18 Jul 2009 10:28    Post subject: Reply with quote

Halil, danke für die Zusammenfassung.
Ich werde mich bemühen, mich in diese VW-Begriffe hineinzudenken. Vielleicht habe ich aber noch die eine oder andere Frage dazu ... Wink

Ich vermute, dass Du die Ideen von Ota Sik ("Dritter Weg") kennst. Sind seine Vorschläge nicht sehr ähnlich zu dem was Du vertrittst?
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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
Posts: 56
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PostPosted: 18 Jul 2009 12:14    Post subject: Reply with quote

Quote:
Ich vermute, dass Du die Ideen von Ota Sik ("Dritter Weg") kennst. Sind seine Vorschläge nicht sehr ähnlich zu dem was Du vertrittst?

Danke für den Hinweis, Jakob. Nein, ich kenne die Ideen von Ota Sik nicht. Oder besser gesagt: Ich kannte sie nicht, habe mich aber nach deinem Hinweis bei Wikipedia erkundigt und einen fünfseitigen Artikel von Egbert Scheunemann gelesen. Seine Vorschläge zu Mitarbeitergesellschaften scheinen mit meinen Vorstellungen weitgehend übereinzustimmen. Ich habe zwar den Zusammenhang zwischen mikro- und makroökonomischer Organisation nicht verstanden, sehe aber die Notwendigkeit dieser Überlegungen ein. Es ist zu begrüßen, dass die Organisation der Produktion durch direkte Produzenten bereits in fertiger Form existiert. Bei Bedarf werden diese Vorschläge sicher eine sehr gute Grundlage für die Mitarbeitergesellschaften sein!
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Jakob
Aspirant


Joined: 02 Jul 2009
Posts: 88

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PostPosted: 19 Jul 2009 13:25    Post subject: Reply with quote

Freut mich wenn ich auch mal was Neues beitragen kann ...
Scheunemann scheint ein sehr engagierter Querdenker zu sein und beschäftigte sich offenbar auch schon mit dem Thema Staatsverschuldung.
Lass ihm doch mal die hier vorgestellten Ergebnisse Deiner Untersuchungen zukommen. Vielleicht ergibt sich eine fruchtbare Diskussion ...
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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
Posts: 56
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PostPosted: 20 Jul 2009 8:06    Post subject: Reply with quote

Schon geschehen, danke!
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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
Posts: 56
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PostPosted: 30 Jul 2009 14:43    Post subject: Reply with quote

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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
Posts: 56
Location: Istanbul

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PostPosted: 30 Jul 2009 14:53    Post subject: Reply with quote

Ich hätte eigentlich erwartet, dass man mich über einen sehr wichtigen Punkt meiner Arbeit ausfragt. Doch wo diese Fragen nicht kommen, möchte ich selber das Wort ergreifen und zu diesem Punkt noch Einiges ausführen.

Sicher habt Ihr bemerkt, dass ich während der ganzen Arbeit von Konjunkturschwankungen absehe und nur langfristige Tendenzen betrachte. Der Zweck dieser Vorgehensweise ist, zu betonen, dass meine Analyse über Konjunkturschwankungen hinweg gilt. Ich gehe bei der Betrachtung der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise sogar so weit, dass ich vom Platzen der Immobilien-Blase in den USA und von der darauf folgenden Finanzkrise gänzlich absehe. Das bedeutet, dass die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise auch ohne die Beschleunigung, die sie vom US-amerikanischen Markt erhalten hat, zustande gekommen wäre – zwar verspätet, aber doch noch. Das Ende der Krise (der Staatsbankrott!) würde dann entsprechend später eintreten, vielleicht so gegen 2020. Wo aber die ganze Entwicklung durch die US-amerikanischen Blasen im letzten Jahrzehnt enorm beschleunigt worden ist, ist der Kollaps, meiner Meinung nach, spätestens auf das Jahr 2012 festzulegen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass GEAB schon im Sommer 2009 drei Monsterwellen ausbrechen sieht und spätestens für den Herbst eine umfassende weltweite Krise voraussagt.

http://www.leap2020.eu/GEAB-in-Deutsch_r27.html

Die große Frage ist jetzt, wie die wirtschaftliche Entwicklung bis zum Kollaps weiter gehen wird? – Ich behaupte, dass die permanente Krise bis zum Crash folgende anschauliche Form haben wird: \/\/\/\X (Staatsbankrott). Jeder \/ hier steht etwa für ein Jahr und wir befinden uns im Jahr 2009 auf dem aufsteigenden Ast des ersten \/. Das spätest mögliche Ende X (Staatsbankrott) ist auf dem absteigenden Ast des Jahres 2012 vorgesehen. – Wie komme ich zu so einer Form der Krisenentwicklung? Nun, die US-amerikanische Wirtschaftsentwicklung in den Krisenjahren 1929-49 zeigt mir, dass „der Staat in den Jahren 1938, 1945-46 u. 1949 seine Nachfrageförderung immer wieder zurückschraubte und jedes Mal das Wirtschaftswachstum in den Keller sauste, was zeigte, dass das prinzipielle Ungleichgewicht zwischen Produktion und Konsum noch nicht behoben war.“ Ich nehme an, dass die Entwicklung auch in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, wo kein Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum besteht, diesen Weg nehmen wird. Jedes Mal, wenn die Staaten der Welt ihre Konjunkturspritzen verabreichen werden, wird es einige Zeit mit der Weltwirtschaft aufwärts gehen, bis erneut auffallen wird, dass der Wirtschaft an Nachfrage fehlt. Also wird der Patient wieder eine Konjunkturspritze verabreicht bekommen und das wird bis zum Zusammenbruch so weiter gehen… Entscheidende Bedeutung kommt dabei der US-amerikanischen Staatsanleihen-Dollar-Blase zu. Platzt diese Blase, so bräuchte man nicht auf das Ende mittels Konjunkturspritzen zu warten. Wahrscheinlich würde das eine Kettenreaktion auslösen und innerhalb kürzester Zeit den Kollaps herbeiführen.
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arocora
Aspirant


Joined: 09 Jun 2009
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PostPosted: 30 Jul 2009 20:09    Post subject: Reply with quote

Hi Halil,

ja oder so ähnlich. Natürlich gibt es noch den höchstunwahrscheinlichen Fall B.
Also eine Art Anti-Neoliberale Politik. Man wirft die Trickle-Down-Theorien dahin, wo sie hingehören, also auf den Müll. Führt "Deine" Vermögenssteuer ein. Steckt die Kohle in die Umwelt und Bildung. Verstaatlicht die Banken. Öffnet die Börse nur an Montagen und löst nebenbei das Spekulationsproblem. Löst das Arbeitslosenproblem z.bsp. über eine wöchentliche Maximalarbeitszeit indem z.Bsp. jede Stunde ab der 30. oder 35. Wochenarbeitsstunde gearbeitet wird, zusätzlich besteuert wird oder wie auch immer. Man gleicht die Leistungsbilanzdifferenzen der Länder an usw. Nur als Beispiel. Das wird alles nicht passieren.
Die Frage wird sein, ob die Schuldzinsen oder nicht verkaufbare Anleihen den Staatsbankrott auslösen werden. Und die zweite ob die Welle von der Peripherie oder vom Zentrum ausgehen wird.

Ein Szenario wäre Lettland als erster Dominostein. Estland und Litauen sollten nur kurz darauf folgen. Die Frage ist ob Schwedens und/oder Österreichs Banken das verkraften und inwieweit Polen betroffen ist. Erste Warnungen in Richtung eines möglichen Ungemachs aus Litauen gab es daher ja schon. Auch die Ukraine und Rumänien sind Wackelkanditaten. Alles Länder in den Österreichs Banken viel Geld verlieren könnten/werden. (in u.a. Lettland aber auch die WestLB und co.)
In Lettland wird es im September wieder interessant. da werden wieder ordentlich Euronen für auslaufende Kredite fällig...
Auf der anderen Seite Europas wartet mit Irland der nächste Kandidat.
Da wird es schwer die alle zu bailouten...
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Halil
Aspirant


Joined: 05 Jul 2009
Posts: 56
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PostPosted: 31 Jul 2009 7:49    Post subject: Reply with quote

Quote:
ja oder so ähnlich. Natürlich gibt es noch den höchstunwahrscheinlichen Fall B.
Also eine Art Anti-Neoliberale Politik. Man wirft die Trickle-Down-Theorien dahin, wo sie hingehören, also auf den Müll. Führt "Deine" Vermögenssteuer ein. Steckt die Kohle in die Umwelt und Bildung. Verstaatlicht die Banken. Öffnet die Börse nur an Montagen und löst nebenbei das Spekulationsproblem. Löst das Arbeitslosenproblem z.bsp. über eine wöchentliche Maximalarbeitszeit indem z.Bsp. jede Stunde ab der 30. oder 35. Wochenarbeitsstunde gearbeitet wird, zusätzlich besteuert wird oder wie auch immer. Man gleicht die Leistungsbilanzdifferenzen der Länder an usw. Nur als Beispiel. Das wird alles nicht passieren.


Schön wäre es, arocora. Die Menschen werden leider nur aus Schaden klug, d. h. man braucht unbedingt die tief schmerzende, kollektive Erfahrung des Staatsbankrotts, um bereit zu sein, etwas Grundlegendes auf die Beine zu stellen… Ist aber diese alles erschütternde, kollektive Erfahrung da, so schlägt das Pendel der Geschichte in die andere Richtung; die Menge entwickelt unnötig viel Radikalität. Davor muss man sich auch in Acht nehmen!
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arocora
Aspirant


Joined: 09 Jun 2009
Posts: 44

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PostPosted: 31 Jul 2009 10:58    Post subject: Reply with quote

Ja, der Plan C, die einfachen Rezepte liegen immer in irgendwelchen Schubladen.

Interessanter Vorschlag von Ullrich Blum (IfW Halle) schlägt auf www.ftd.de/meinung/kommentare/:Gastkommentar-Sonderabgabe-für-die-Banken/547305.html
eine Sönderabgabe für Bankvermögen vor. Klingt (theoretisch) umsetzbar.

Nochmal zu Deinen Eintrag Staatsbankrott:
Deine Betrachtungen zu den Konjunkturspritzen des Staates teile ich. Wenn man sich Japan der letzten Jahre anschaut, hat man ein ausgezeichnetes Beispiel dafür wie so etwas laufen kann/wird.

Wenn man das letzte Jahr als Bezugspunkt hernimmt, dann ist mir folgendes aufgefallen. Die Allgemeinen wirtschaftlichen Stimmungsbarometer und die Entwicklungen an den Börsen gehen mehr oder weniger Hand in Hand. Das gilt auch für viele Kommentare in den Wirtschaftsblättern.
So lange die Angst vor der Inflation zumindest in D-Land viele Menschen dazu bringt ihr Geld lieber sofort auszugeben, als in ein paar Monaten auf billigere Preise zu warten, wird die Binnenkonjunktur ihr Niveau halten. Das stabilisiert zumindest ein wenig.
Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, auf die GEAB setzt, werden wohl erst mittelfristig auf die Wirtschaft durchschlagen. Ich halte es da mit Keynes, der meint, dass bei Arbeitslosigkeit, erst wenn alle Anderen Möglichkeiten zu Geld zu kommen ausgeschlossen sind, der Betroffene sich einschränken wird.
GEAB's zweite Welle ist da wohl entscheidender, denn sie verstärkt, sowohl die erste durch wegfallende Arbeitsplätze und bringt weitere Unternehmen in Gefahr. Klar.
Die dritte Welle ist wohl erstmal nicht soooo aktuell. Die USA bekommen ihre Anleihen ja los.Das Geld verbleibt im Finanzsystem. So lange das da bleibt, wird es auch keine Inflationären Erscheinungen geben.

Zu Berechnungen: Du Setzt ja Sparquote = Investitionsquote. Was aber, wenn das nicht stimmt? Wenn ein Teil des Geldes nur zu Spekulationszwecken eingesetzt wird und auf lange oder längere Sicht im Spekulationssystem verbleibt? Also ähnlich Großmutters Sparstrumpf = Horten funktioniert? Das würde Deine Theorie ja beschleunigen....
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