arocora Aspirant
Joined: 09 Jun 2009 Posts: 44

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Posted: 16 Jun 2009 20:18 Post subject: Max Weber - Ideelle Grundlagen des Kapitalismus |
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Ich beginne mal mit Max Webers Theorie über die Entstehung des Kapitalismus. Weber hat sich mit den Auswirkungen der Religionen auf Wirtschaft, den Einzelnen und die Gesellschaft beschäftigt.
Ich hoffe es ist trotz der Kürze halbwegs verständlich geschrieben.
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus:
Max Weber beschäftigte sich vor ca. 100 Jahren mit der Frage nach den Ursprüngen des Kapitalismus und in diesem Zusammenhang warum der Kapitalismus sich in jenen Gegenden der Erde entwickelte, in der der Protestantismus, bzw. bestimmte Formen (Sekten), weit verbreitet waren und nicht anderswo. Voraussetzungen wie rationale Technik und rationales Recht als Grundlage für rationales Wirtschaften waren zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Gesellschaften mindestens so ausgeprägt, wie zu Beginn der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Ebenso das Streben nach maximalen Gewinn. Webers Meinung nach fehlte jedoch noch ein entscheidender Faktor. Er nennt sie „die Fähigkeit und Disposition bestimmter Arten praktisch-rationaler Lebensführung.“
Ein entscheidender Faktor der Lebensführung ist der Einfluss der Religion.
Er suchte also nach den ideellen Grundlagen des Kapitalismus, die er in der protestantischen Ethik findet. Erst die Ethik des Protestantismus (Calvin, Luther,...) schuf Weber zufolge die Ethik und die Moralvorstellungen, die für die Entstehung des Kapitalismus hilfreich waren (nicht zwingend notwendig). Die Entmystifizierung des Glaubens schuf auch eine neue rationalere Weltanschauung. Weber geht dabei von einer individuellen Rationalisierung hin zu einer universalen Rationalisierung aus:
Luther deutet den Begriff Arbeit in Beruf um. Arbeit ist nicht mehr abhängig von Stand und Geburt, sondern erhält eine quasi religiöse Bedeutung. Gott hat einen Plan für den Einzelnen. Nicht nur Geistliche werden durch Gott berufen und erhalten dadurch ihre Legitimität, sondern jeder Einzelne. Dadurch ergibt sich noch ein anderer Punkt. Die Arbeit, der Beruf wird mehr als nur Broterwerb. Durch die Verbindung von Arbeit und Gott, gilt es zudem die Arbeit so gut wie möglich zu erledigen.
Den entscheidenderen Anstoß lieferten die protestantischen Sekten (Calvinisten, Puritaner, Quäker, usw.) des 16. und 17.Jh. Ihr Glaube, dass das Leben von Gott vorherbestimmt ist (Prädestinationslehre) führte zu der Frage, woran man das erkennen könnte.
Calvin: Gott zeigt seinen Anhängern schon im Diesseits das er sie liebt. Ein Zeichen dafür ist weltlicher Reichtum und ein frommes Leben (innerweltliche Askese). Arbeit erfüllte noch einen weiteren Zweck. Wer arbeitet sündigt nicht, dadurch wird Arbeit zum Selbstzweck. Ziel ist jedoch nicht der Konsum sondern allein die Akkumulation von Vermögen und deren Re-Investition. Allein dadurch wurde diese Gruppen zu einem wirtschaftlichen Machtfaktor, der alle anderen mehr oder weniger zwang sich diesen wirtschaftlichen Vorstellungen anzupassen oder unterzugehen.
Weber zufolge ist es genau diese Kombination aus Reichtum anhäufen um des Reichtums willen und des Arbeiten um des Arbeiten willens, der eine Grundlage für den Kapitalismus bildete. Arbeit ist nun mehr als nur ein notwendiges Übel, dass zur Befriedigung von (elementaren) Bedürfnissen dient.
Die Protestantische Ethik gibt’s als Potsdamer Internet-Ausgabe. http://www.141.89.99.185:8080/uni/professuren/e06/a/a/ha/PE.pdf
Interessant ist Weber aus mehreren Gründen:
Er zeigt, wie wichtig gesellschaftliche Wertvorstellungen sind und wie diese das Handeln beeinflussen und vor allem zeigt es auf worauf unsere Arbeitsmoral beruht. Sozial ist was Arbeit schafft, usw. ist ja genau in diesem Geiste. Nur (egal wie schlecht) bezahlte Erwerbsarbeit zählt - alles andere wird negiert und als z.Bsp. faul stigmatisiert.
Die neoliberale Idee des Home oecomicus ist eigentlich nichts anderes als die Weiterentwicklung dieses Typ Mensch. Der Sinn und Zweck des Menschen wird zu einer reinen Arbeits-Konsum-Maschine abgewertet.
Das Andere ist das Webers Theorie die aktuelle sozialdarwinistische Gier- und Neiddebatte als vollkommen am Thema vorbei entlarvt. Folgt man Webers Gedanken, dass sich rationale Systeme gegenüber nicht so rationalen Systemen durchsetzen, wird klar, dass Gier kein rationales Handeln zulässt und Gesellschaften die die Gier zu einem Wert erheben über kurz oder lang scheitern. |
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